“Es hat nicht sollen sein” – Vikings unterliegen Markneukirchen knapp zum Saisonauftakt der 1. Bundesliga

„Zur Pause war ich mir noch sicher, dass wir es heute packen können“ so Sportdirektor Tobias Heil nach dem Kampf, „doch leider ist es in der zweiten Halbzeit nicht optimal für uns gelaufen und wir konnten keinen der beiden Schlüsselkämpfe für uns gewinnen.“

Symptomatisch vielleicht schon der erste Kampf, wo Neuzugang Fatih Sentürk beherzt aufkämpfte gegen den aktuellen 7. Europameister Razvan Kovacs und seine letzte Aktion praktisch mit dem Schlussgong durchführte. Doch der in Summe gute Unparteiische André Schedler hatte die Uhr genau im Blick und zeigte sofort an, dass die Kampfzeit leider schon vor dem Ende der Aktion abgelaufen war. So hieß es 2:3 aus Sicht von Fatih.

Im sich anschließenden Schwergewicht fand Ilja Klasner keine Mittel, den 22kg schwereren Franz Richter von einer deutlichen 0:8 Niederlage abzuhalten.

Und dann kam Neuling Peter Haase! In einem fulminanten Kampf mit zwei großartigen Aktionen aus dem Stand gewann er gegen den Vize-Europameister von 2019 Florin Tita höchst verdient mit 9:5 und wurde zum Vikinger des Abends.

Die Euphorie dieses Kampfes konnte im Anschluss Johannes Deml bestens nutzen und bezwang taktisch klug ringend seinen Kontrahenten Patryk Dublinowski mit 3:2. 

Auch Mikyay Naim in der Klasse bis 66kg kämpfte sehr umsichtig und siegte knapp, doch verdient gegen den starken Münir Aktas mit 2:1. 

So ging es beim Stand von 4:4 in die Pause und die rund 200 Zuschauer in der Untermainhalle in Elsenfeld hatten viel Gesprächsstoff. Die neue Wettkampfstätte der Vikings bot auf Grund ihrer Größe allen Fans einen sehr entspannten Abend, konnte am Platz sowie im Foyer beim Verzehr die Maske abgenommen werden – ein großer Schritt hin zur Normalität und zu einem Ringerabend, wie wir ihn kennen und lieben. 

Nach der Pause wollte Niklas Schäfer an die Siegesserie seiner Mannschaftskameraden direkt anknüpfen, doch am amtierenden deutschen Juniorenmeister Erik Löser biss er sich die Zähne aus. 5:8 hieß es am Ende für den Markneukirchner und damit ging der erste Schlüsselkampf an die Gäste. 

Gegen den jungen, doch taktisch klug und sehr defensiv eingestellten Marco Stoll tat sich Neuzugang Dmitri Dobrov zunächst schwer. Er gewann am Ende souverän, doch kam über ein 6:1 nicht hinaus, was ihn selbst ärgerte. 

In der Gewichtsklasse bis 80kg musste Yannick Ott kurzfristig einspringen und erstmal einen größeren Schluck Wasser trinken, um ausreichend Gewicht auf die Waage zu bringen, nachdem der etatmäßige Ali Azimzada verletzungsbedingt ausfiel. Gegen den bärenstarken Russen Darsam Dzhaparov war entsprechend nichts zu holen, doch war man froh, dass Yannick so spontan im Dienste der Mannschaft stand. 

6:10 hieß es damit nach 8 von 10 Kämpfen und die Vikings waren unter Zugzwang. In der Regel ist das eine Situation, mit der Routinier Steven Gottschling bestens umgehen kann. Doch als der Konterspezialist nach 2 Minuten Kampfzeit plötzlich in eine Beinschleuder lief, war der Schrecken in den Gesichtern der KSC Fans groß. Zwar kämpfte Steven beherzt bis zur letzten Sekunde, konnte den Rückstand aber nicht mehr wett machen. 

Die Fans der Gäste dann natürlich aus dem Häuschen: „mit einem Sieg hätten wir nach der Pause nicht mehr gerechnet“, gab man nach dem Kampf auch offen zu. 

Obwohl der Mannschaftskampf für den KSC nun also schon verloren war, zeigte der Ausnahmeringer Malkhas Amoyan, als amtierender U23 Europameister und Vizemeister der Männer, seine ganze Klasse und gewann gegen seinen armenischen Landsmann Seyran Simonyan technisch überlegen. 

„Das war natürlich kein Auftakt nach Maß“, bilanzierte der stellvertretende Vorstand Roland Dorn. „Und auch wenn ich etwas enttäuscht über das Ergebnis heute bin, so bin ich mir sicher, dass wir mit dieser starken Mannschaft und dem tollen Team-Spirit, den die Jungs haben, das Feld noch ordentlich aufrollen werden!“. 

In der nächsten Woche steht dann gleich das Derby gegen Kleinostheim an und hier werden die Karten neu gemischt.